
WOJTEK
Veränderung
«Das sind 30 Jahre Leben, oder, das verändert einen. Aber was daran war Freiburg? Was die Schweiz? Schwer zu sagen, was etwas bewirkt.»
Mitgestaltung
«Aber ich kann eine Sache sagen, wo ich mich verändert habe: In Polen war es normal, dass man dem Staat gegenüber etwas misstrauisch ist. Ich schätze hier, dass es nicht nur darum geht, irgendwie zu überleben, sondern dass man auch etwas gestalten und bewirken kann.»
Einfluss
«Ich habe viele Ausstellungsprojekte mit Künstler:innen gemacht. Es braucht einfach viel Enthusiasmus. Das sind viele unbezahlte Stunden. Manchmal geht’s finanziell auf, und manchmal arbeitet man einfach gratis. Ich glaube auch, dass das, was ich als Lehrer mache, den Leuten etwas bringt.»
Wojtek Klakla stammt aus Krakau, und die Liebe führte ihn vor bald 30 Jahren nach Freiburg. Er folgte seiner damaligen Freundin und hatte eigentlich vor, nach deren Studium wieder zurück nach Polen zu gehen. Doch wegen verschiedener unerwarteter Zufälle blieb er bis heute in Freiburg.
«Aber natürlich macht man Pläne oder stellt sich was vor, und dann kommt es oft anders, als man gedacht hat. Ich glaube, wenn man jung ist, überlegt man nicht so viel. Wir waren einfach ein bisschen zu abenteuerlustig, und es hat sich so alles ergeben. Auf jeden Fall, durch viele ziemlich unglaubliche Zufälle und durch Leute, die mir geholfen haben, konnte ich hierbleiben.»



Als bildender Künstler begann er in einer Galerie zu arbeiten, wo er Ausstellungen organisierte und seine eigenen Werke verkaufte.
Wojtek erinnert sich an seine Kindheit in Polen während der kommunistischen Ära, wo er zum Beispiel bei den Pionieren war, einer Art «Ostblock-Pfadfinder», oder an Veranstaltungen zu Ehren von Lenin teilnehmen musste.
Die 80er-Jahre brachten eine Wende mit politischen Unruhen, an die sich Wojtek gut erinnern kann.
«Damals gab es diese Solidarność-Bewegung. Das waren schon besondere Zeiten mit Polizei, mit Tränengas und ein bisschen Krawallen. … Ich ging in einem Quartier in Krakau ins Collège. Dort war so wie ein Zentrum von diesen Aufständen. Von dem her haben wir das immer mitbekommen. Aber ich kann nicht sagen, dass ich die Polizei mit Steinen beworfen habe. Aber wir mussten dann oft auch fliehen…»

Prägend waren auch zwei Jahre, die er als Jugendlicher in Algerien verbrachte, wo seine Eltern im Rahmen eines kommunistischen Austauschprogramms an der Universität lehrten. Diese Zeit formte seine Einstellung zum Lernen und Leben nachhaltig.
Nach dem Gymnasium studierte Wojtek zunächst Architektur, aber seine Leidenschaft für die Malerei führte ihn an die Kunstakademie. Französischunterricht hatte er bereits in Polen und Algerien erhalten, in der Schweiz lernte er Deutsch, indem er Bücher las, Filme anschaute und Radio hörte. In der Schweiz entdeckte er auch die inspirierende Wirkung der Natur und begann, Landschaften zu malen.
Wojtek gefällt die Vielfalt der Menschen in der Schweiz und er widerspricht Stereotypen über die Distanziertheit der Schweizer:innen. Seine Liebe zur Kunst und sein Engagement in der Gemeinschaft prägen sein Leben in Freiburg. Er hofft, dass sein Beitrag, sei es als Künstler oder Lehrer, einen positiven Einfluss hat. Seine Kinder sind zweisprachig aufgewachsen, was er als Bereicherung betrachtet.


Obwohl er seine polnische Herkunft schätzt, plant Wojtek nicht, nach Polen zurückzukehren. Er sieht seine Zukunft in der Schweiz.
Wojtek möchte sich einbürgern lassen, um hier mitbestimmen zu können. Das ist ihm wichtig.
«Ich liebe Polen, aber ich möchte mich nicht auf Polen reduzieren lassen. Und ich glaube nicht, dass ich in Polen das machen könnte, was ich jetzt hier mache. … Also ich träume nicht davon, zurückzugehen.»

Veränderung
Martin Wenn ich zurück nach Kanada gehe, denke ich manchmal, warum machen wir das so in Kanada? Das macht keinen Sinn.
Natalie Du merkst es an kleinen Sachen.
Agnes Ja, wenn wir hier wandern oder in der Stadt spazieren, sagen die Leute immer «Tschüss», «Hallo»…
Max …«Grüessech»
Agnes Ja, und wenn wir in Ungarn «Hallo» sagen, dann denken sie, «Was ist los mit dieser Frau?! Die sagt «Hallo».
Max Ich glaube, dass wir ein bisschen höflicher werden.
Dialekt
Ich finde, es ist sehr wichtig, dass jeder Ort in der Schweiz seinen eigenen Dialekt hat. Ja, weil das ist auch die Identität vom Sensebezirk.
Beitrag zur Gesellschaft
Früher in Kanada habe ich viel gesegelt, ich war in der Nationalmannschaft und in der olympischen Mannschaft. Und jetzt bin ich beim Segelclub Murten ein freiwilliger Coach. Und ich hoffe, dass ich so etwas zurückgeben kann.
Familie Essig, das sind Agnes, Martin, Maximillian und Natalie. Im Jahr 2004 entschieden sich Agnes und Martin, in die Schweiz zu ziehen, und haben damit ein neues Kapitel in ihrem Leben aufgeschlagen.
Agnes aus Ungarn und Martin aus Kanada bringen zwei sehr unterschiedliche kulturelle Perspektiven mit. Agnes Erinnerungen an ihre Kindheit in Ungarn sind geprägt von der kommunistischen Ära und von einfachen Freuden, die exotische Früchte wie Orangen und Bananen zu Weihnachten bringen konnten. Martin erlebte seine Kinderjahre in den weiten, offenen Landschaften Kanadas, wo er vor allem die Natur geniessen konnte.



In Essigs Alltag spielen Sprachen eine wichtige Rolle. Für eine rasche Integration in die Schweiz besuchte Agnes einen Intensivkurs an der Universität Freiburg, um sich rasch die Sprache anzueignen. Auch für Martin ist Sprache etwas Wichtiges und schafft Identität. Doch das Seislerdütsch war für ihn eine echte Herausforderung.
«Martin Also, in unserer Familie haben wir Englisch, Ungarisch, Französisch von der Stadt Fribourg…
Natalie Deutsch,
Martin… Hochdeutsch und dann Seislerdütsch. So sind es wirklich viele Sprachen. Da wir in der Stadt arbeiten, sind wir nicht so in die deutsche Sprache eingetaucht.
Agnes… für uns ist das natürlich schwierig.»

Die Kinder Max und Natalie sind in der Schweiz geboren. Sie haben einen eigenen Weg gefunden, ihre Identität zwischen zwei Kulturen zu entwickeln. Auch als Familie haben sich Essigs in die schweizerische Lebensweise eingefunden. Sie haben alle Ecken der Schweiz besucht, sie unternehmen lokale Freizeitaktivitäten wie Segeln und Wandern.
«Agnes Und bevor die Kinder geboren wurden, sind wir so viel in der Schweiz herumgereist, jedes Wochenende haben wir etwas Anderes gemacht. Ja, das war sehr cool. Und dann wandern. Wir haben unsere ersten Wanderschuhe gekauft, weisst du?
Martin Genau, die ersten Dinge, die wir gekauft haben, waren Wanderschuhe und ein Caquelon… für das Moitié-Moitié-Fondue.»



Essigs pflegen Freundschaften mit Menschen unterschiedlicher Herkunft und teilen gerne. Die Offenheit und Freundlichkeit der Menschen hier haben ihnen geholfen, sich als Teil einer globalen Gemeinschaft zu fühlen.
Trotz ihrer starken Bindung an die Schweiz fühlt die Familie immer noch eine Sehnsucht nach ihren Ursprungsländern. Max träumt davon, Profi-Basketballer zu werden. Natalie möchte Chemie oder Naturwissenschaften studieren, hat aber auch den Wunsch, die Welt zu erkunden. Agnes und
Martin schätzen ihre neue Heimat sehr und sind gleichzeitig offen für neue Möglichkeiten und Abenteuer.

ZORICA
Kontakte
«Am Anfang war es schwierig, Kontakte aufzunehmen. Ich habe das einfach so akzeptiert. Sobald die Kinder zur Welt gekommen sind, sind irgendwie die Türen aufgegangen. Und sobald man mich kennengelernt hatte, war es einfach, weiter Kontakt zu haben.»
Veränderung
«Freiburg hat mich in dem Sinn verändert, dass ich mich als Ausländerin traue zu zeigen, dass ich existiere. Hier in Freiburg gibt es auch andere, und man sollte anderen auch erlauben, einen Platz zu finden. Und man macht das, indem man die Geschichten anhört oder mehr von der anderen Kultur erfährt.»
Einfluss
«Ich hoffe, dass ich es geschafft habe, mein Umfeld ein wenig zu verändern. Klar, ich bin hier Ausländerin, aber ich führe mein Leben nach den Regeln der Schweiz. Und ich möchte das Schöne und Gute aus meiner Heimat allen anderen Leuten zeigen, die hier leben.»
Zorica Stojanovic studierte nach Abschluss des Gymnasiums in Serbien Muttersprache. Nach dem Krieg fand sie eine Stelle als Sprachlehrerin.
«Das war für mich schon immer mein Traum. Meine Mutter erzählt, dass ich als kleines Kind nur mitspielen wollte, wenn ich Lehrerin sein konnte. Und das hat mir unglaublich viel Spass gemacht.»


Ihren Mann lernte sie über ihre Vermieterin in Serbien kennen. Er arbeitete allerdings in Düdingen. Als sie ihn hier besuchte, gefiel es ihr auf Anhieb. Vor 18 Jahren heirateten sie und Zorica zog in die Schweiz. Als Sprachlehrerin war es ihr sehr wichtig, die Sprache gut zu erlernen. Doch die Kommunikation war eine besondere Herausforderung. Erst als ihre Kinder zur Welt gekommen waren, war es viel einfacher, mit den Menschen in Kontakt zu kommen …
«Am Anfang, als ich in die Schweiz gekommen bin, war es mir sehr wichtig, die Sprache gut zu lernen. Und wie gesagt, Grammatik habe ich schnell gelernt, Aber ich brauchte Konversation, Umgang oder Alltag mit Leuten. Als dann die Zwillinge zur Welt gekommen sind, waren sie wie ein Magnet für die Leute hier. Alle wollten wissen, wie alt sie sind, Mädchen oder Junge und so.»

In ihrer Kindheit und Jugend in Serbien erlebte Zorica eine einfache und naturnahe Zeit, die sie viel draussen mit Freunden beim Spielen verbrachte. Trotz begrenzter Unterhaltungsmöglichkeiten fanden sie kreative Wege, sich zu beschäftigen, und genossen die gemeinsame Zeit mit ihrer Familie. Ihre Schulzeit war geprägt von einer stabilen Ausbildungsumgebung, bevor der Krieg das Land erschütterte.
«Es war der 3. Mai 1999, der 40. Bombardierungstag und mein Geburtstag. Zusammen mit meiner Kollegin sassen wir auf der Terrasse. Plötzlich haben wir ein unbekanntes Geräusch gehört. Zwischen dem Nachbarhaus und dem Elternhaus haben wir eine Rakete gesehen. Kurz darauf haben wir gespürt, wie die Erde bebt, und die Flamme gesehen. Die Rakete hatte ihr Ziel getroffen. Die Wasseranlage war zerstört.»


Trotz dieser Herausforderungen konnte sie ihren Wunschberuf als Lehrerin ausüben. Insgesamt prägten die Gemeinschaft, die Naturverbundenheit und die Fähigkeit, aus einfachen Dingen Freude zu schöpfen, ihre Kindheit und beeinflussen so noch heute ihr Verständnis von Glück und Zufriedenheit auch hier in der Schweiz.
Zorica ist heute Spielgruppenleiterin in Düdingen. Ausserdem arbeitet sie in der Bibliothek und engagiert sich aktiv für die Gemeinschaft. Sie gestaltet Integrationsprojekte mit und leitet auch eine Integrationsspielgruppe. Privat unternimmt sie gerne Ausflüge und entdeckt immer wieder Neues.
Zorica lebt gerne in der Schweiz und fühlt sich gut integriert. Sie betrachtet Düdingen als ihr Zuhause. Sie schätzt die Offenheit und Freundlichkeit der Menschen hier. Trotzdem sehnt sie sich manchmal nach ihrer Heimat und vor allem nach ihrer Mutter, die noch in Serbien lebt.
Ihre Zukunft sieht sie weiterhin in der Schweiz und hofft, hier alt zu werden. Für sie ist Heimat nicht nur der Ort, an dem man geboren wurde, sondern vor allem der Ort, an dem man sich wohlfühlt und lebt.

KUMAR
Identität
«Ich fühle mich sehr wohl. Ich habe nur noch einen Schweizer Pass. Ich bin ein brauner Schweizer. Aber mein «Hirni» sagt immer noch, ich bin hier fremd. Ich kann meine Hautfarbe nicht verändern. Ich bin einfach so.»
Jugendtraum
«Ich habe immer geträumt, seit meiner Jugend, dass ich einmal selbständig bin. Ich möchte ein kleines Nichtraucher, Restaurant, ohne Fleisch, nur vegetarisch. Nun, dieser Traum ist Realität geworden.»
Beziehungen
«Die Freiburger sind sehr liebevolle Menschen. Aber es braucht ein wenig Zeit. Allgemein braucht es in der Schweiz ein wenig Zeit. Und im ländlichen Gebiet noch mehr.»
Kumar Satkunam ist als Tamile in Jaffna, Sri Lanka geboren. Nach einer vom Bürgerkrieg geprägten Jugend fand er Zuflucht in der Schweiz. Seit 1983 lebt er hier, zunächst in Bern, später in Schmitten. Als Ayurveda-Therapeut und Unternehmer hat er sich in der Schweiz ein neues Leben aufgebaut. Mit seiner Frau und fünf Mitarbeitenden führt er eine Praxis und ein Restaurant, in dem er die ayurvedische Lebensweise und Küche vermittelt.
«Ayurveda ist eine Wissenschaft vom Leben. Ayur heisst das Leben, Veda ist Wissenschaft, also die Wissenschaft von einem gesunden längeren Leben. Und das ist die Ganzheit vom Menschen, Körper und Seele und Geist. Das nennt man die drei Doshas, und so heisst meine Firma.»



In seiner Jugend erlebte Kumar die Auswirkungen des langjährigen Bürgerkriegs in Sri Lanka, der seine Familie und Gemeinschaft stark prägte. Aus dem dringenden Wunsch nach Überleben und Sicherheit entschied er sich, als einer der ersten Flüchtlinge sein Land zu verlassen. Die Schweiz bot ihm ein neues Zuhause und die Möglichkeit, sich eine neue Existenz aufzubauen.
In Bern fand Kumar nicht nur Zuflucht, sondern auch die Liebe. Er heiratete und gründete eine Familie. Der Wunsch nach einer ruhigeren Umgebung für seine Kinder führte ihn aufs Land nach Schmitten.
«Wir wurden sehr freundlich, sehr herzlich empfangen. Das war schön. Auch als die Kinder klein waren, haben wir wirklich sehr schnell eine Tagesmutter gefunden. Die Schweizer sind sehr liebevolle Menschen, würde ich sagen. Aber es braucht ein wenig Zeit. Allgemein in der Schweiz braucht es ein wenig Zeit. Und im ländlichen Gebiet, noch mehr Zeit.»

Die Integration in die Schweizer Gesellschaft war nicht immer einfach. Doch Kumar fand über die ayurvedische Therapie und Küche Wege, seine Kultur zu teilen und Brücken zu bauen.
Sein Restaurant in Bern sieht er als Ort der Begegnung. Neben der ayurvedischen Küche bietet er auch Kochkurse an, die Menschen verbinden. Sein Engagement geht über das Geschäftliche hinaus; er träumt davon, eine Stiftung zu gründen, um Kriegswitwen und -waisen in seiner Heimat Sri Lanka zu unterstützen.
Trotz der Herausforderungen und Verluste in seinem Leben schätzt Kumar sein erfülltes Leben in der Schweiz. Die Erinnerungen an Sri Lanka bleiben gemischt – geprägt von der Schönheit des Landes und den Schatten des Krieges.


«Aber vorher war Sri Lanka, wie gesagt, ein wunderschönes Land, ein Natur-Paradies. Es hat alles, also es fehlt gar nichts. Und man braucht nicht viel zum Leben. Das hat mich am Anfang hier gestört. Hier wohnen wir in einer Vier-Zimmer-Wohnung, dort leben wir immer frei. Ein Mangobaum, vier-fünf Bananenbäume, einen Granatapfel, drei-vier Kokosnussbäume, und und und. Das habe ich am Anfang sehr, sehr vermisst.»
Doch in der Schweiz hat er Frieden, Freiheit und eine zweite Heimat gefunden.

NATALIYA
Liebe zur Schweiz
«Ich kam in die Schweiz ans Jazzfestival in Montreux. Das war eine sehr schöne Landschaft mit einem See und mit Bergen. Ich habe gesagt, das ist mein Land. Ich weiss nicht warum. Je suis tombée amoureuse!»
Positive Einstellung
«Die Leute, die mich umgeben, sind nur gute Leute. Ich bin positiv. Ich habe positive Leute um mich. Es ist wie ein Magnet. Bleibe positiv und es kommt alles gut.»
Beziehungen
«Ich habe viel für die Leute gemacht, bei denen ich gearbeitet habe. Ich habe ihnen gerne Blumen gebracht oder sie zum Essen eingeladen. Ich lade alle ein. Es sind diese kleinen Gesten, die wichtig sind.»
Nataliya Reinhard wurde in der Ukraine, in der Nähe von Sumy, geboren. Sie wuchs in einem kleinen Dorf auf, wo sie früh Verantwortung übernahm. Sie half ihren Eltern bei der Pflege der Tiere und der Hausarbeit.
«Was ich sagen will, ich hatte keine Kindheit. Als ich klein war, musste ich zu Hause immer arbeiten. Ich musste immer putzen und der Mutter helfen. Meine Eltern waren Bauern, wir hatten viele verschiedene Tiere. Ja, es gab viel zu tun, da Mama und Papa zu viel arbeiteten. Aber heute bin ich meinen Eltern dankbar.»



Mit 18 Jahren verliess sie ihr Elternhaus, um ein eigenständiges Leben zu beginnen. Sie heiratete und brachte ihren ersten Sohn zur Welt.
Bei einem Besuch bei ihrer Cousine in Montreux verliebte sich Nataliya in die Schweiz. Die Schönheit der Landschaft und die freundliche Mentalität der Menschen beeindruckten sie sehr. Im Jahr 2000 zog sie selbst hierher.
Sie begann, Deutsch zu lernen, und fand Arbeit als Hauspflegerin in einer Familie, die sie wie ein eigenes Mitglied behandelte und ihr in schwierigen Zeiten beistand.
In ihrer ersten Zeit musste sie viele herausfordernde Situationen bewältigen. Doch sie hatte in ihrem bisherigen Leben gelernt, sich zu behaupten und ihren eigenen Weg zu gehen.
«Immer, wenn ich in einer schwierigen Situation war, habe ich mir gesagt: ‹Ich kann das, ich muss weiter gehen.› Und es gibt gute Leute, die mich nterstützen. Ich habe gute Freunde hier in der Schweiz… Überall, wo ich gewohnt habe, habe ich Freunde. Die Familie, für die ich gearbeitet habe, alle Nachbarn und auch das Jugendamt haben mir viel geholfen.»

In Freiburg lernte sie ihren späteren Ehemann kennen. Sie heirateten und zogen nach Ueberstorf, wo Nataliya sich immer mehr in die lokale Gemeinschaft integrierte.
Aufgrund eigener Erfahrungen bemerkte Nataliya, dass es in ihrer Umgebung einen Bedarf an Wimpernstudios gab. Sie begann, sich selbst dafür zu interessieren und besuchte mehrere Ausbildungsgänge in diesem Bereich in der Ukraine und in der Schweiz. Mit ihrem neu erworbenen Wissen eröffnete sie ihr eigenes Wimpernstudio.
«Dann habe ich angefangen, bei mir zu Hause zu üben. Und nach sechs Monaten habe ich mit dieser Arbeit angefangen. Ganz langsam, aber dafür gute Qualität. Es ist sehr wichtig, denn ich habe verstanden, dass die Leute in der Schweiz gerne Qualität haben. Es ist nicht nur wichtig, dass die Produkte eine gute Qualität haben, sondern auch die Arbeit.»


Dank der Qualität ihrer Arbeit und ihrem Engagement wuchs ihr Geschäft schnell. Sie entwickelte eine eigene Produktlinie und bietet nun auch Schulungen für andere Fachleute an.
Nataliya lebt heute mit ihrem Mann und ihren Kindern in Flamatt. Ihr Ziel ist es, ihr Wissen und ihre Erfahrung weiterzugeben und so auch anderen zu helfen, in der Schönheitsbranche erfolgreich zu sein.

THI THU
Landleben
«Am Anfang war es schwierig. Ich war immer ein Stadtmensch. In China lebte ich in Millionenstädten, so viele Leute, und hier sah ich niemanden. Nicht mal jemanden, um nach dem Weg zu fragen!»
Natur
«Von der Stadt aufs Land, da habe ich viel gelernt, z.B. die Natur. Früher habe ich gesagt, das wäre dreckig und die Kühe so laut und stinkig. Aber jetzt bin ich das gewohnt. Und ich weiss sogar, dass die Kühe vier Zitzen haben, vorher habe ich gemeint zwei.»
Einfluss
«Ich glaube schon, dass ich meine Umgebung verändert habe. Hier sind wir wirklich auf dem Land, und plötzlich gibt es ein asiatisches Restaurant! Das gibt schon Veränderungen mit den Menüs und den Geschmacksrichtungen. Und am Anfang habe ich überlegt, ob das funktioniert? Aber nachher ist das ganze Dorf gekommen, um mich zu unterstützen.»
Thi Thu Vonlanthen hat eine bewegende Lebensgeschichte hinter sich. Sie ist als Chinesin in Habak, einem idyllischen Dorf in der Nähe von Hanoi, Vietnam geboren. Der Chinesisch-Vietnamesische Krieg zwang sie zur Flucht, und die Familie wurde getrennt. Die Mutter fuhr mit den Kindern nach China, während ihr Vater 1980 als Flüchtling in die Schweiz kam.
«Wir, die Kinder, sind mit Mami mit dem Zug nach China gegangen. Und mein Papi ist später gegangen. Doch der Weg war mit Minen und Bomben blockiert. So ist er in Hong-kong gelandet. Dort ist er zwei Jahre im Flüchtlingslager geblieben, bevor er in die Schweiz kam. Er sagte ‹Schweiz, wo ist das, ich kenne nicht? Ich will nach Amerika.› Doch in Amerika gab es keinen Platz für ihn. Doch zuletzt hat er noch erzählt, dass er froh ist, dass er in die Schweiz konnte und nicht nach Amerika.»




Nach acht Jahren Trennung wurde die Familie in Bern wieder vereint. Thi Thu ging in Bern zur Schule, wo sie auch eine Lehre als Innendekorateurin absolvierte. Vor 24 Jahren hat sich ihr Leben durch die Heirat mit einem Sensler verändert. Sie verliess Bern und zog nach Freiburg.
«Chinesen essen gern. Wenn Du gerne mit Chinesen befreundet sein möchtest, musst du zuerst mit ihnen essen gehen. Dann hast du ganz viele Freunde. So habe ich Kochen gelernt, backen, kochen, dämpfen. Ich habe alles nachgemacht, entweder bei der Verwandtschaft oder aus Büchern. Bald konnte ich Restaurants beliefern. So hat es angefangen. … Und als meine Kollegin ihren Imbissladen in Bern verkaufen wollte, habe ich gesagt: Ich übernehme ihn.»

Als ihre Kinder älter wurden, wollte sie näher bei ihnen sein. Sie verkaufte ihren Imbissladen in Bern und eröffnete ein eigenes asiatisches Restaurant in Plasselb.
Thi Thu hat zahlreiche kulturelle Unterschiede erlebt, einschliesslich der Sprachenvielfalt in der Schweiz, und so musste sie sich oft an die lokalen Dialekte und Sitten anpassen. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten in der ländlichen Umgebung von Freiburg und der Sprachbarriere lernte sie ihr neues Leben lieben.
Ihre Liebe zur Natur und zu ihrer Familie bereichern ihr Leben immer wieder aufs Neue. Thi Thu findet Glück in der Gesundheit, der Familie und den kleinen Freuden des Lebens, wie Karaoke-Singen oder Zeit mit ihren Hunden zu verbringen.


«Glück, Glück ist einfach, dass du gesund bist. Also jeden Morgen aufstehen ohne Schmerzen, ohne krank zu sein, und arbeiten gehen, das ist Glück für mich. Und meine Familie und Freunde treffen. Das ist auch Glück. Das mache ich sehr gern.»
Thi Thu hat gelernt, sich den Veränderungen anzupassen und das Beste aus jedem Moment zu machen.

HARALD
Verantwortung
«Ich bin jetzt schon ziemlich lange da und seit letztem Jahr bin ich auch eingebürgert. Ich bin sehr froh, dass ich hier bleiben darf und dass ich jetzt ein Teil dieses netten Landes bin. Und einer meiner ersten Eindrücke war, dass die direkte Demokratie etwas sehr Wichtiges ist, und das weiss ich sehr zu schätzen.»
Freiburg und ich
«Sagen wir mal so: Ich passe sehr gut zu Fribourg. Wir haben uns irgendwo gesucht und gefunden.»
Einfluss«Ich hoffe wirklich, dass die Leute weniger Auto fahren, weniger Fleisch essen und ein bisschen vorsichtiger mit dem Konsum sind. Ich will niemanden zu irgendwas überreden. Ich kann Anstoss geben durch mein eigenes Leben. Und wenn nicht, kann ich ja nichts ändern. Aber viele meiner Kunden sind schon auf dem Weg.»
Harald ist in Neu-Ulm geboren und in München aufgewachsen. Nach einer soliden Ausbildung als Bäcker-Konditor und seiner späteren Arbeit als Velomechaniker hatte er in München Germanistik und Kommunikationswissenschaft studiert. Motiviert durch die berufliche Chance seiner
damaligen Freundin, zog er 2005 nach Freiburg und schloss hier seine akademische Karriere mit einer Doktorarbeit ab. Danach liess er die universitäre Welt hinter sich und kehrte zu seiner Leidenschaft zurück: dem Velomechanikerhandwerk.
Nach einigen beruflichen Wechseln und Aufenthalten in verschiedenen Städten und einer vierjährigen Anstellung als Velomechaniker in der Nähe von Bern fand er schliesslich seinen Platz in seiner eigenen Velowerkstatt in Freiburg.
«Irgendwann hat sich dann die Gelegenheit ergeben, dass ich mich an der Blue Factory als selbständiger Velomech installieren konnte. Dann habe ich die Gelegenheit wahrgenommen. 2023 bin ich in die Rue Frédéric-Chaillet umgezogen, nicht weit weg. Also das ist meine kurvige Geschichte.»




Er hat sich auf Reparaturen ohne Verkauf spezialisiert, um Ressourcen zu schonen und die Nachhaltigkeit zu fördern. Seine Verbundenheit mit der Schweiz vertiefte sich über die Jahre, und sie fand ihren Höhepunkt in der erfolgreichen Einbürgerung. An seiner neuen Heimat schätzt er besonders die Mehrsprachigkeit, die Vielfältigkeit und die direkte Demokratie, also die direkte Teilhabe der Bürger:innen am politischen Geschehen.

Persönlich bleibt er seinen Werten treu – er lebt bescheiden, ohne Auto, ist Veganer und setzt sich für einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen ein. Dabei will er aber nicht missionarisch wirken. Seine Hoffnungen für die Zukunft sind einfach: weniger Autoverkehr, weniger Fleischkonsum und ein bewussteres Konsumverhalten der Menschen.
In Freiburg hat er nicht nur ein berufliches Zuhause gefunden, sondern auch ein Umfeld, das seine Werte teilt und unterstützt.


«Sagen wir mal so: Ich passe sehr gut zu Freiburg, wir haben uns irgendwo gesucht und gefunden. Es macht mich sehr zufrieden oder glücklich, hier leben zu können.»

BARBARA
Veränderung
«Ich bin viel pünktlicher als früher. So wie alle Österreicher bin ich kein pünktlicher Mensch gewesen. Und hier in der Schweiz, das habe ich als Erstes gelernt: Eher 5 Minuten zu früh, als eine Minute zu spät.
Einfluss
«Jetzt mache ich jeden Montag die J.O.-Trainings, weil die Schüler dürfen – Gott sei Dank – in der Schule Skifahren. Und nebenbei betreue ich ganz verschiedene Sportler als Sportpsychologin. Vor dem Eidgenössischen Schwingfest in Estavayer sind plötzlich ganz viele Schwinger gekommen, weil sie gesagt haben, in 3 Monaten müssen sie parat sein, bitte bereite mich noch vor.
»
Feldschiessen
«Das ist witzig. Der Schützenverband in Österreich ist der zweitgrösste Sportverband nach dem Skifahren. Und ich habe mir gedacht, die Österreicher sind echt schiesswütig. Aber dann bin ich in die Schweiz gekommen, und da kann irgendwie jeder schiessen. Und auch so ein Feldschiessen gibt’s in Österreich nicht.»
Barbara Schubert ist in Österreich geboren und aufgewachsen. Sie entschied sich vor 16 Jahren, in den Kanton Freiburg zu ziehen, um mit ihrem damaligen Partner zusammen zu sein. Die landschaftliche Ähnlichkeit zwischen der Schweiz und ihrem Heimatland Österreich hatte ihr die Entscheidung erleichtert. Als Sportlerin und Naturliebhaberin fühlte sie sich von den Bergen und der Natur angezogen. Obwohl sie von den Voralpen zuerst etwas enttäuscht war. Die leidenschaftliche Skifahrerin fand in Schwarzsee ihr Glück.
«Zuerst habe ich gedacht, wo sind die Berge? Er hat mir versprochen, hier hat es Berge. Und dann sehe ich so Gipfel, die so 2000 Meter hoch sind. Und habe mir gedacht, wo sind die Dreitausender, die ich von zu Hause gewohnt bin.»



Trotz einiger kulturellen Unterschiede, schätzte sie die offene und freundliche Art der Schweizerinnen und Schweizer. Sie geniesst es, mit anderen Menschen zusammen zu sein, sei es zum Kaffeetrinken oder um gemeinsam Sport zu treiben.
Die Zweisprachigkeit stellte für sie anfangs eine Herausforderung dar, da in ihrem Dorf hauptsächlich Deutsch gesprochen wird. Sie erkannte jedoch die Vorteile der Mehrsprachigkeit. So bemühte sie sich, Französisch zu lernen, obwohl ihre Kinder Englisch bevorzugten.
Barbara arbeitete in verschiedenen Berufen, als Sportpsychologin und Trainerin bis hin zu kaufmännischen Tätigkeiten. Sie schätzt die Flexibilität ihres aktuellen Jobs als kaufmännische Angestellte, der es ihr ermöglicht, Zeit mit ihren Kindern zu verbringen und ihren Leidenschaften nachzugehen.

Barbaras Lebensstil hat sich in der Schweiz verändert, sie ist pünktlicher geworden und achtet mehr auf Ordnung. Auch wenn es ihr hier sehr gut gefällt, vermisst sie ihre Familie und Kollegen in Österreich sehr.
«Die allergrösste Herausforderung war, dass meine ganze Familie in Oesterreich wohnt und dass ich hier mit zwei kleinen Kindern ganz alleine war, ohne Verwandtschaft. Und wir sind ein richtiger, ganz grosser Familienverband gewesen. Meine Verwandten haben im Nachbarhaus gewohnt, also wir waren auch eine Riesenclique. Und hier war plötzlich niemand. Und da wäre ich am Anfang auch fast zurückgegangen wegen dem.»



Trotzdem sieht sie ihre Zukunft hier in der Schweiz, wo sie weitere Träume verwirklichen will, darunter das Lehrdiplom zu erwerben und als Lehrerin zu arbeiten sowie Französisch zu lernen. Und natürlich ihre Kinder glücklich aufwachsen zu sehen.

Antonietta & Leone
Integration
«Die Schweizer haben mich nie ausgeschlossen, wir waren immer zusammen. Da war dieser Jugendverein und in den ersten Jahren haben sie mich gefragt, ob ich mitmachen will. Dann war ich dabei. Wir gingen zusammen reisen und machten vieles mehr.»
Einstellung
«Ich bin der Meinung, dass man nicht von Italien hierher kommen sollte, um zu befehlen. Ich muss wie der Schweizer sein, nicht der Schweizer wie ich.»
Verantwortung
«Dann habe ich angefangen zu servieren und das hat mir gefallen. Am Ende war ich verantwortlich für die Organisation der Feste. Am Anfang ging ich am Wochenende, manchmal samstags, dann sonntags. Und jetzt organisiere ich immer noch das Personal für die Grenette in Freiburg und manchmal für das Nationale Pferdezentrum IENA. Und ich bin im Ruhestand und passe gerne zweimal pro Woche auf meine Enkelkinder auf.»
Leone und Antonietta Petrulli leben seit 1972 in ihrem eigenen Haus in Cordast. Leone stammt aus Kalabrien in Süditalien und kam im Alter von 16 Jahren in die Schweiz. Seine Reise begann mit einigen Hindernissen. Er war zu jung, um legal zu arbeiten. Dank eines hilfreichen Bekannten konnte er jedoch die erforderlichen Papiere beschaffen und fand Arbeit bei einem Bauern im Waadtland, wo er Französisch lernte.
«Als ich in Lausanne ankam, kam das zweite Problem. Ich war zu jung. Dort war ein Italiener. Er sagte, dass er jemanden kenne, der mir helfen könne. Also ging ich zu diesem Bauern. Ich sagte ihm, dass ich Arbeit suche. Er sagte nichts. Ich sah eine Gabel. Ich nahm sie und begann, damit Heu zu laden. … Einen Monat später hatte er die Bewilligung.»



Zwei Jahre später kam Leone nach Cordast, um Deutsch zu lernen. Er arbeitete zuerst auf einem Bauernhof. Im Winter konnte er in einer Sägerei arbeiten. In den folgenden Jahren arbeitete er hart, zwischenzeitlich sowohl in der Landwirtschaft als auch in der Sägerei. Hier bewährte er sich schnell und übernahm schon bald die Verantwortung für die Sägemaschine.
In seiner Anfangszeit fand Leone Anschluss im Jugendverein und fühlte sich dadurch immer integriert. Mit seinem ersten gesparten Geld kaufte er sich ein Auto.
«1965 habe ich ein Auto gekauft. Ich war damals 23 Jahre alt. In den Dörfern hatte niemand von den Jungen ein Auto. Ich war der erste.»

Leone beschreibt seine Ankunft in der Schweiz als ruhig und positiv. Er lernte schnell die Mentalität der Einheimischen zu schätzen und betonte die Wichtigkeit, sich anzupassen und respektvoll zu leben. Stets war es ihm wichtig, sich an die schweizerischen Gepflogenheiten zu halten. Seine Frau Antonietta war Anfang der 70er-Jahre ebenfalls aus Italien in die Schweiz gekommen. Leone und Antonietta heirateten 1972 und bauten sich ein gemeinsames Leben in Cordast auf.
Antonietta hatte zuerst in einem Heim für beeinträchtige Kinder gearbeitet. Nach der Geburt der beiden Kinder arbeitete sie vor allem als Putzfrau. Als diese grösser wurden, begann sie in der Gastronomie. Dort übernahm sie immer mehr Verantwortung und half in der Organisation von grossen Veranstaltungen mit.


Mittlerweile sind Leone und Antonietta pensioniert. In ihrer Freizeit geniessen sie die Natur. Sie machen gerne Reisen und waren unter anderem schon in der Türkei, auf Malta oder in Tunesien . Antonietta liebt italienische Musik und besucht regelmässig Konzerte.
Beide schätzen die Lebensqualität in der Schweiz, auch wenn sie Italien und besonders die Familie manchmal vermissen. Beide fühlen sich in der Schweiz zu Hause. Ihre beiden Kinder und die Enkelkinder wohnen in der Nähe. Die Familie ist eng verbunden und verbringt viel Zeit miteinander. Familie und Gesundheit stehen für sie im Mittelpunkt ihres Glücks.
«Für mich ist Glück, dass ich meine Kinder hatte und jetzt meine Enkelkinder. Das ist mein grosses Glück, dass ich meine Kinder in der Nähe habe.»

Veränderung
«Die Mentalität. Die Leute hier sind nicht gleich wie die Leute in Mexiko. Sie überlegen so viel und machen so viele Pläne. In Mexiko ist alles ein bisschen spontan. Heute mache ich mehr Pläne. Das habe ich von meiner Frau gelernt. Wir machen Pläne für alles.»
Umfeld«Ich mache ein bisschen Streetfotografie. Es gibt so viele Leute, die anders als die durchschnittlichen Schweizer sind, und das gefällt mir. Das nennt man ein Kulturgemisch.»
Strassenverkehr
«Hier brauchen die Leute den Blinker, wenn Sie nach links oder nach rechts abbiegen. In Mexiko nicht. Es ist eine Überraschung für alle Leute, die dort fahren. Das hat mich auf meiner letzten Reise nach Mexiko selber genervt.»
Jesse Alberto Pacheco Aguirre stammt aus Mexiko und fand seinen neuen Lebensmittelpunkt in der Schweiz, genauer gesagt im Dorf Giffers. In Mexiko traf er seine zukünftige Frau.
«Ich habe am Anfang gedacht, sie sei aus Mexiko, weil sie wirkte mehr wie eine Mexikanerin. Das sind grosse und schöne Frauen. Und ich habe sie gefragt, aus welchem Teil Mexikos kommst du? Und sie hat gesagt, ich komme aus der Schweiz. Und ich: wirklich?! Aus der Schweiz?! Weil sie spricht sehr gut Spanisch. Das war lustig, dass ich sie in meiner Muttersprache kennengelernt habe.»



Nach der Geburt ihrer ersten Tochter entschied sich das Paar, aus dem Wunsch nach Sicherheit und Stabilität, für einen Umzug von Mexiko in die Schweiz. So verliessen sie sein Heimatland, um mit ihrer Familie in der Schweiz zu leben, der Heimat seiner Frau.
In der Schweiz stellte Jesse fest, wie sich die Realität von seinen Vorstellungen unterschied. Der Einstieg in die Arbeitswelt war nicht immer einfach. Diese Anfangszeit war für ihn eine Zeit des Lernens und Wachsens. Er musste sich nicht nur an das kühlere Klima und die lokalen Gepflogenheiten gewöhnen, sondern auch seine Sprachkenntnisse erweitern.
Besonders das Deuschlernen stellte sich als schwierig heraus. Trotz der Herausforderungen, sich an eine völlig andere Kultur und Sprache anzupassen, zeigte Jesse eine bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit und Entschlossenheit, sich zu integrieren und zu einem Teil seiner neuen Gemeinschaft zu werden.

Die Umstellung von dem lebhaften, farbenfrohen Lebensstil Mexikos auf das ruhigere und strukturiertere Leben in der Schweiz war nicht so einfach. Jesse vermisste die spontanen Treffen mit Familie und Freunden, die Wärme der Sonne und die vertrauten Gerüche und Geräusche seiner Heimat.
«In Mexiko sind wir ein bisschen spontan. Ja, wir machen schon Pläne, aber nicht so viel. Deshalb bin ich hier. Wir haben entschieden, wir gehen in die Schweiz. Ohne Plan, aber mit Gefühl.»
Doch mit der Zeit fand er auch in der Schweiz Momente der Zufriedenheit. Er lernte, die Schönheit der Schweizer Landschaft zu schätzen, fand Freude an der Qualität und Ruhe seines neuen Lebens und knüpfte langsam, aber sicher neue Bindungen.



Die Geburt seiner zweiten Tochter in der Schweiz war ein prägender Moment, der ihm half, seine neuen Wurzeln zu akzeptieren. Dieses Ereignis markierte einen Wendepunkt, an dem Jesse erkannte, dass Heimat nicht nur ein Ort, sondern ein Gefühl ist, das durch Liebe und Zusammengehörigkeit definiert wird.
Jesse blickt manchmal mit einer Mischung aus Wehmut und Genugtuung auf seinen Lebensweg zurück. Er sieht seine Geschichte als Beispiel dafür, dass das Leben unvorhersehbar ist, dass Mut und Ausdauer uns durch diese ungewisse Reise führen können. In der Schweiz hat er eine
neue Heimat gefunden, einen Platz für seine Familie und für neue Ziele.
«Meine Zukunft sehe ich besser als früher. Nicht so einfach, aber einfacher als früher. Ich sehe mich nicht noch mal in Mexiko, weil ich mag die Korruption nicht. Ich bleibe hier in der Schweiz.»

Integration
«Wir sind gut integriert. Wir haben eine Familie kennen gelernt und die haben uns sehr geholfen. Sie haben uns herumgeführt, uns verschiedene Orte gezeigt und viel darüber erzählt. Wir haben viele Leute und Orte kennen gelernt.»
Traditionen
«Shaju Kaffeetrinken. Diese Tradition haben wir angenommen. Wir haben nur Tee getrunken. Und hier sind wir jetzt gewohnt mit Kaffee.
Shiji Ja. Und Wein! Zuerst riechen und dann trinken. Wir hatten keine Weinkultur in Indien.»
Veränderung
«Am Anfang war es für beide Seiten schwierig. Denn hier in Tafers haben sie vorher nicht viele dunkle Leute gesehen. Die Leute waren irgendwie distanziert. Wenn ich eine Infusion legen musste, haben sie gefragt, ob ich das wirklich könne oder sogar gesagt: «Rufen sie eine Schweizerin». Das hat weh getan. Aber nachher haben sie erlebt, dass ich es sehr gut kann. Jetzt ist es kein Problem mehr.»
Shiji und Shaju Manavalan kommen aus Indien. Sie sind vor 24 Jahren nach Tafers gezogen, wo beide im Spital arbeiten. Shiji arbeitet als Krankenschwester und ihr Mann Shaju als technischer Assistent. Sie lebten zuvor in Wien, wo ihre Tochter Lea geboren wurde. Ihr Sohn Libin kam in der Schweiz zur Welt.
Shiji beschrieb ihre Ankunft in Tafers als schockierend ruhig im Vergleich zur Stadt Wien. Sie war unsicher, ob sie hier arbeiten konnte, da sie anfangs kaum Menschen sah.
«Shiji Wir haben in Wien in der Stadt gelebt und hier, wenn ich in das Dorf gekommen bin, war es so ruhig. Ich sah keinen Menschen. Ich habe gedacht, wo bin ich? Es war ganz weiss am Boden. Ich habe mit meinem Mann telefoniert und gesagt: Ich weiss nicht, ob ich hier arbeiten kann oder nicht. Ich sehe keinen Menschen. Ich habe zu ihm gesagt, unten ist weiss und oben ist der Himmel und es ist sehr kalt.
Shaju Aber als Shiji angerufen hat, hat es mir richtig gut gefallen, denn ich will keine Stadt. Ich will ein Dorf. Shiji hat gesagt, hier ist nur Ruhe und Arbeit und ich habe keinen Menschen gesehen. Dann habe ich gesagt, das ist gut für uns.»



Im Spital wurde sie herzlich aufgenommen und unterstützt. Shaju fand die Ruhe und die dörfliche Umgebung in Tafers von Anfang an angenehm. Das Paar berichtet, dass der Anfang nicht immer einfach war, man doch manchmal misstrauisch gegenüber Ausländern war. Ihre Fähigkeiten und ihr Arbeitsplatz halfen ihnen jedoch, ein gutes Lebensklima zu finden.
In Indien wuchs Shiji auf einem Bauernhof auf. Sie entschied sich jedoch für eine Ausbildung zur Krankenschwester. Unterstützt von ihrer Cousine zog sie später nach Wien. Shaju arbeitete zunächst in der Textilindustrie und später als Lehrer, bevor er Shiji heiratete und ebenfalls nach Wien zog.
Die Familie hat sich gut in Deutschfreiburg eingelebt. Sie geniessen die Ruhe und die Natur.

«Als wir gekommen sind, war in der Maggenbergmatte ein Feld. Und dieses war voller Kühe. Am Morgen klingelte das so schön, das war wie Yoga.»
Sie pflegen gute Kontakte zu Nachbarn und Kollegen und sind in die lokale Gemeinschaft integriert. Einmal im Monat feiern sie in der katholischen Kirche von Tafers einen indischen Gottesdienst.


Shiji und Shaju betonen die Bedeutung der Familie und ihrer Arbeit für ihr Glück. Sie schätzen die Lebensqualität hier. Obwohl sie regelmässig ihre Familie in Indien besuchen, fühlen sie sich in der Schweiz zuhause.
«Jetzt sind wir hier, haben ein Haus. Die Kinder sind hier. Und die Freunde sind auch hier. Nach zwei drei Wochen in Indien kommt das Gefühl, zurück zu wollen.»

Veränderung«Hier in Freiburg habe ich immer Leute getroffen, die aus verschiedenen Orten und Kulturen kamen, und sie waren sehr offen. Für mich ist Freiburg sehr multikulturell. Und ich bin hiergeblieben, weil ich mich wohl gefühlt habe. Dass ich in Freiburg studiert habe und dass ich hier eine Familie gegründet habe, das hat wirklich mein ganzes Leben verändert.»
Einfluss«Ich habe auch etwas Afrikanisches nach Bourguillon gebracht. Hier im Quartier zum Beispiel sind wir nicht viele Afrikaner. In meinem ersten Jahr als Student war ich an Weihnachten und Silvester allein. Für mich war das wirklich die Hölle. Ich habe mir vorgenommen: Das wird nie mehr passieren!
An den nächsten Weihnachten habe ich alles selber organisiert, Leute in meine Wohnung eingeladen. Und das ist bis heute Tradition geblieben: An Silvester laden wir alle ein, die alleine sind oder sich alleine fühlen.»
Gaétan stammt aus Togo, Westafrika und lebt heute mit seiner Familie in Bürglen. Er arbeitet als Wirtschaftsinformatiker in einer Bank.
Er ist in der Hauptstadt Lomé geboren, wo sein Vater am Hafen arbeitete. Dieser hatte etwa 20 Kinder mit verschiedenen Frauen. Gaétan ist das älteste von vier Kindern seiner Mutter. Seine Schwester lebt in New York und die anderen beiden Geschwister sind in Togo. Trotz finanzieller Einschränkungen genoss er seine Kindheit. Er spielte begeistert Basket- und Volleyball oder kreierte draussen mit einfachen Mitteln seine eigenen Spielsachen.




Mit zwölf Jahren schickten ihn seine Eltern auf eine von Schweizern gegründete Schule. Diese lag 400 Kilometer entfernt von seinem Zuhause. Zusammen mit seinem nur zwei Jahre älteren Onkel mieteten sie ein Zimmer und kümmerten sich selbstständig um ihr Leben. Sie kochten zusammen und bewältigten ihren Alltag eigenständig. Sein Weg in die Schweiz begann mit der Unterstützung der Schweizer Missionare. Diese ermöglichten ihm ein Studium an einer katholischen Universität in Freiburg. Er begann ein Philosophiestudium und plante ein Doktorat in Wirtschaftsethik.
Sein ursprünglicher Plan war, nach Togo zurückzukehren und an seiner ehemaligen Missionsschule zu unterrichten. Er konnte sich sogar vorstellen, Priester zu werden. Doch als er seiner zukünftigen Frau begegnete, nahm sein Leben eine andere Wendung.
Gaétan erinnert sich noch genau an seine Ankunft 1990 in Freiburg. Seit damals hat sich die Stadt aus seiner Sicht deutlich verändert.
«Als ich kam, gab es noch nicht viele Schwarze in Fribourg. Wir lebten in einer Gemeinschaft und sind draussen spazieren gegangen. Und dann ist die Polizei gekommen. Aber sie haben nur gesagt, wenn wir so viele zusammen sind, sind die Leute das nicht gewohnt. Das habe ich nicht wirklich besonders schlecht erlebt. Das war nur eine Erfahrung.»

Gaétan ist heute Vater von drei Kindern. Sein Alltag in der Schweiz ist von der Routine seiner Arbeit in Zürich geprägt. Doch seine Freizeit verbringt er gerne mit seiner Familie, geht spazieren, tanzt gerne oder legt als DJ auf.
«Mein Name als DJ ist DJ Gaétan (lacht). Manchmal mache ich es mit meinem Sohn. Unser Nachname ist Djassah. Und darum sagen wir ‹DJ Assah› (lacht).»
Sein katholischer Glaube und die Integration in die multikulturelle Gemeinschaft von Freiburg spielen in seinem Leben eine wichtige Rolle. Die grössten Herausforderungen in der Schweiz sieht Gaétan darin, trotz Vorurteilen seinen Platz zu behaupten.




«Bei mir sieht man zuerst, dass ich schwarz bin, und alle Vorurteile kommen mit. Und ich muss mich immer beweisen. Für mich war das auch eine grosse Herausforderung, eine Arbeit zu finden. Aber ich glaube, ich habe es gut geschafft.»
Gaétan sieht seine Zukunft optimistisch, insbesondere im Hinblick auf die Unterstützung seiner Kinder. Sein Leben in Freiburg hat ihm ermöglicht, Brücken zwischen seiner afrikanischen Herkunft und seiner neuen Heimat zu schlagen. Dabei ist es ihm wichtig, die kulturelle Vielfalt und das gegenseitige Verständnis zu fördern.

Menschen
«In der Schweiz sind die Menschen für mich interessant. Sie arbeiten viel, und wenn man ihnen eine Frage stellt, antworten sie klar. Und mir hat auch gefallen, wie sehr sie ihr Land lieben. Weil in Afghanistan lieben sie ihr Land nicht, denn sonst würden sie nicht Krieg führen.»
Unterstützung
«Wenn die Menschen in Deutschfreiburg einen Ausländer wie mich sehen, der sich viel Mühe gibt und einen Beruf lernt, dann ermutigen sie ihn und helfen. Und auch damals habe ich mit Freunden aus Düdingen Deutsch gelernt. Sie haben mir freiwillig Deutschunterricht gegeben.»
Mut
«Auf Persisch sagen wir: «Ein lebendiger Vogel frisst die Ameisen. Und die kleinen Ameisen fressen tote Vögel.» Die Situationen im Leben verändern sich immer wieder. Deswegen habe ich Mut und kämpfe weiter.»
Shamsullah Erfan wurde am 6. August 1999 in Tahkar, Afghanistan geboren. Seine Kindheit war von Krieg und Unsicherheit geprägt. Aufgrund der anhaltenden Gewalt und der fehlenden Menschenrechte entschied er sich mit 12 Jahren, seine Heimat zu verlassen, um ein besseres Leben zu suchen.
«Deswegen habe ich allein entschieden, Afghanistan zu verlassen und ein Land zu finden, wo Menschenrechte funktionieren und man besser leben und lernen kann.
Das war eine schwierige Zeit und Vergangenheit: Immer unterwegs, ich hatte keinen Pass und musste schwarz reisen. Ich habe sexuelle Belästigung erlebt. Viele Schlepper haben mich geschlagen und immer wieder wurde mir das Geld weggenommen.»
Die Flucht war lang und gefährlich. Ohne Papiere musste er sich oft verstecken und wurde misshandelt. Er reiste durch Pakistan in den Iran, wo er schwarz arbeitete, um Geld für die Weiterreise zu sparen. Schliesslich gelang es ihm, die Türkei zu erreichen. Dort kaufte er mit elf anderen Minderjährigen ein Boot, um nach Griechenland zu gelangen. Zwei seiner Freunde ertranken auf dieser gefährlichen Überfahrt nach Kos. Dort wurde ihnen ihr Boot gestohlen, und mit einem Frachtschiff gelangte Shamsullah nach Athen.




Nach weiteren Strapazen durch Mazedonien, Serbien, Ungarn und Österreich erreichte Shamsullah 2015 die Schweiz. Das Leben hier war am Anfang auch nicht einfach. Die ersten drei Jahre verbrachte er in Asylunterkünften und durfte weder offizielle Deutschkurse besuchen noch arbeiten.
«Ich wurde nach Düdingen transferiert und habe ungefähr mit 60 Menschen aus verschiedenen afrikanischen und asiatischen Ländern gelebt. Weil ich keinen Pass hatte, konnte ich nicht beweisen, dass ich 16 Jahre alt bin. Ich musste wie ein Erwachsener leben, und sie wollten mich nach Ungarn oder Afghanistan abschieben. Doch Caritas hat mich gerettet.»

2018 erhielt Shamsullah den F-Ausweis, der es ihm ermöglichte, offiziell Sprachkurse zu besuchen und eine Lehrstelle als Milchpraktiker in Kerzers zu absolvieren, die er nach zwei Jahren erfolgreich abschloss. Nach der Lehre arbeitete er als Angestellter weiter, bis die Käserei geschlossen wurde. Zur Zeit des Interviews sucht er Arbeit oder denkt daran, eine zweite Ausbildung zu absolvieren.



Der Verlust seiner Freunde auf der Flucht und die ständige Bedrohung in seiner Heimat haben Shamsullah stark geprägt. Er setzt sich ein für Frieden in seinem Land. Heute lebt er in Freiburg. Nachdem die Käserei, in der er arbeitete, in den Jura verkauft wurde, sucht er eine neue Arbeitsstelle. Shamsullah ist verheiratet und 2024 Vater einer Tochter geworden.

Integration
Als ich vor 26 Jahren nach Freiburg kam, kannte ich die Sprache noch nicht so gut. Das macht automatisch ein bisschen isolierter. Ich hatte das Gefühl, dass man den Schritt zu den Leuten machen musste. Danach sind sie auch sehr offen und interessiert.
Freiburg
Freiburg ist noch so ruhig. Das ist doch so provinziell, also sympathisch. Also ich bin eigentlich mehr Freiburgerin als Schweizerin.
Politik
Seit ich vor zehn Jahren Schweizerin wurde, gehe ich abstimmen. Das geniesse ich jetzt enorm, dass ich mitdenken und mitgestalten kann.
Lena Vandergeten Furter lebt seit 26 Jahren in der Schweiz. Sie ging als Erasmus-Studentin von Brüssel nach Bordeaux. Dort lernte sie ihren Mann kennen, mit dem sie schliesslich in seine Heimat, die Schweiz, zog.
«Dort habe ich meinen Mann kennengelernt. Und er war zufällig Schweizer. Nach Erasmus haben wir überlegt, ob wir die Beziehung auflösen wollen oder weitermachen. Und er hat mich eigentlich richtig überzeugt, dass es schön wäre, wenn ich es mit ihm versuchen würde und in die Schweiz komme. Das habe ich gemacht und jetzt – 26 Jahre später – haben wir vier Kinder, einen Hund, ein Haus, einen Garten, viele Freunde und viel Familie.»



Beruflich arbeitet Lena als Physiotherapeutin in einem Krankenhaus in Bern. Ihre ersten Eindrücke von Freiburg waren geprägt vom Charme der Altstadt, die ihr märchenhaft erschien, ein Gefühl, das bei jedem Besuch erneut bestärkt wird. Sie schätzt Spaziergänge in der Natur, geht gerne ins Konzert, Kino oder besucht regelmässig die lokalen Pubs.
«Eben, Pub, Apero, mit dem Hund spazieren, das mache ich mega gern. Oder ich koche für die Familie und Freunde. Das Filmfestival von Fribourg finde ich den Hammer. Das ist fix in meiner Agenda, und ich nehme immer frei. Das geniesse ich enorm, weil du weisst, du hast Ferien, du kannst jetzt ins Kino gehen, Leute treffen und über den Film diskutieren.»

In Belgien führte Lena ein aktives Leben. Sie engagierte sich in verschiedenen Vereinen. Obwohl sie sich in der Schweiz gut eingelebt hat, vermisst sie die Belgierinnen und Belgier und deren spezifischen Humor, der ihre Heimat prägt. Die Unterschiede in Kultur und gesellschaftlichen Normen zwischen Belgien und der Schweiz waren insbesondere in Bezug auf Arbeit und Familie anfangs nicht einfach für sie.
«Als ich schwanger war, hat meine Kollegin gesagt, wenn du ein Kind hast, dann musst du doch zu Hause bleiben. Und ich habe gedacht, nein, das gibt‘s doch nicht. Das hat mich richtig empört, als ich das so gehört habe. Das war so 1997 oder 98. Damals war es auch schwierig mit der Krippe, und wir hatten ja auch keine Grosseltern in der Gegend.»



Lena betont die Bedeutung von Menschen und Beziehungen für ihr Wohlbefinden in der Schweiz. Die grössten Herausforderungen waren für sie, die Work-Life-Balance zu finden. Heute engagiert sie sich in der lokalen Kultur. Sie schätzt die Möglichkeit, der politischen Beteiligung, nachdem sie die Schweizer Staatsbürgerschaft erlangt hat, und geht regelmässig zur Urne. Heimat bedeutet für Lena nicht nur einen Ort, sondern ist eng verbunden mit Menschen, Erinnerungen und Gerüchen. Sie fühlt sich sowohl in Belgien als auch in Freiburg zu Hause.

Veränderung«Durch das Betreuen und Begleiten von älteren Leuten lerne ich sehr viel. Man kann sagen, zum Beispiel die Kultur von der Schweiz oder von Düdingen. Ich habe alles von den älteren Leuten gehört und gelernt. Man muss sich Zeit nehmen. Sie haben Lebenserfahrungen, sie wissen mehr als ich. Und das hat mir sehr, sehr, sehr geholfen.»
Einfluss
«Ich denke, durch mein Verhalten habe ich mein Umfeld beeinflusst. Ich bin ein sehr ruhiger Mensch. Und ich weiss, ich habe sehr viel Empathie, und auch die Leute, die mich kennen, wissen das. Ich respektiere jeden und darum habe ich auch keine grossen Probleme hier gehabt. Ich bin offen und die Leute in Düdingen spüren das auch.»
Öffnung
«Früher haben sie an der Kasse in Düdingen nur Deutsch gesprochen. Ich habe Glück gehabt und konnte «Hallo» sagen. Wenn man es französisch gesagt hat, dann haben sie «nein, nein» gesagt. Aber heute fragen sie selber, sprechen Sie Deutsch oder Französisch? Das zeigt auch, dass Düdingen sich den verschiedenen Menschen öffnet, die da wohnen.»
Ange François Lessebet Kohou ist in der Elfenbeinküste geboren. Seit 2002 lebt er in der Schweiz, genauer gesagt in Düdingen. Seine Reise nach Europa begann als Fussballer in Deutschland. Nach einem Abstecher in die Türkei kehrte er in die Elfenbeinküste zurück. Sein Weg hat ihn per Zufall in die Schweiz verschlagen.
«Ich bin wirklich per Zufall in die Schweiz gekommen. Weil ich wollte eigentlich von Deutschland mit dem Auto über Belgien nach England. Ja, und dort hat es nicht funktioniert. So bin ich mit einem Bekannten mit Auto in die Schweiz gekommen und zwei Monate danach habe ich meine erste Frau hier kennengelernt… und so bin ich hier geblieben. Wieder mit viel Glück.»



Seit fast 20 Jahren arbeitet Ange François in der Pflege als Pflegehelfer und betreut ältere Menschen. Diese Arbeit bereitet ihm viel Freude, da er viel von den älteren Menschen lernt und ihre Kultur und Lebensgeschichten schätzt. Er hätte nie gedacht, dass er einmal in der Pflege arbeiten würde. Doch diese Arbeit erfüllt ihn mit Stolz und Zufriedenheit. Er schätzt an seinem Beruf besonders die Möglichkeit, ältere Menschen zu begleiten.
Ange François hat zwei Bücher über seine Arbeit und sein Leben geschrieben. Darin erzählt er, dass er alles über Pflege in der Schweiz gelernt hat. Allerdings vermisst er von seinem Ursprungsland, die Art und Weise, wie die jungen Menschen das Alter ehren.
«Ich sage immer, in der Kultur der Fürsorge geht es darum: Du musst schauen, sprechen, zuhören, berühren. Diese Fertigkeit zu vermitteln, das kann jeder lernen. Auch wenn die Leute dement sind. Die Leute sagen, das ist Magie von Afrika. Keine Ahnung, aber ich habe das alles hier gelernt.»

Neben seiner Arbeit in der Pflege ist er auch als Fussballtrainer tätig. Seit 2015 trainiert er beim Team AFF, einer Fussballschule des Kantons, und hat bereits verschiedene Alterskategorien betreut.
Das Leben in der Elfenbeinküste war für ihn oft schwierig. Die Politik dort machte das Leben nicht immer einfach, und viele Familien konnten nur einmal am Tag essen. Er erinnert sich daran, wie er zur Schule laufen musste und wie das Leben als Fussballer in der Elfenbeinküste war. Fussball war für ihn eine Möglichkeit, seine Familie zu unterstützen und seinen Geschwistern die Schule zu finanzieren.
«Hier ist die Familie, ich, meine Frau und meine beiden Kinder. Aber in der Elfenbeinküste ist die Familie: Tante, Onkel, Nichte und, und, und. Manchmal arbeitet nur einer, aber man hat viele Bäuche zu füllen.
Und mit Fussball habe ich meiner ganzen Familie geholfen. Ich habe wirklich meiner ganzen Familie mit Fussball geholfen.»


In der Schweiz schätzt Ange François die Ruhe und Sauberkeit. Er hat eine enge Verbindung zu seiner Gemeinde und seine Zukunft sieht er weiterhin in der Pflege, wo er anderen Menschen helfen und ihnen Freude bereiten kann.
«Ich möchte diese Arbeit weitermachen, solange ich lebe. Ja, ich will nicht etwas anderes machen als das, weil das ist so wichtig und so schön, anderen Menschen zu helfen.»

REWAN & HAJAN
Sprachen
«In Freiburg hatten wir einen Crashkurs in Deutsch. Das ist so die erste Erinnerung, was die Sprache in Freiburg betrifft. Auf dem Weg hierher haben wir in Italien Italienisch gesprochen, in Syrien Arabisch, Kurdisch, alle möglichen Sprachen haben wir kennengelernt.»
Integration
«Für uns war sehr schnell sehr klar, dass wir die Zukunft hier haben.»
Einfluss
«Rewan Ich finde es etwas anmassend zu sagen, dass wir Freiburg verändern. Aber gleichwohl leisten wir unseren
Beitrag, so wie jeder seinen Beitrag leisten kann. Sei das im Kulturellen oder im Politischen. Schon nur wenn wir unseren Berner Kollegen erzählen, dass sie ans Schmittner Open Air kommen sollen. Also jeder von uns ist eigentlich ein Werbeträger für die Herkunft, woher er kommt.Hajan Ja, diesem Umfeld, in dem wir aufgewachsen sind und in dem wir uns wohlfühlen, etwas zurückgeben. Wir haben viel bekommen und jetzt können wir etwas zurückgeben.»
Hajan Abubaker und sein Bruder Rewan erlebten trotz schwieriger Umstände eine schöne Kindheit. Sie war von der politischen Verfolgung ihrer Eltern im Irak und ihrer Flucht geprägt. Ihre Eltern hatten sich zur Flucht entschieden, weil aufgrund ihrer kurdischen Herkunft und ihrer politischen Aktivitäten die Gefahr unter Saddam Hussein zu gross geworden war.
«Ein Bild habe ich tatsächlich noch von dem Tag, als wir aus dem Irak abgereist sind, wo wir in ein Auto gestiegen sind, hinten auf der Rückbank. Du, ich und mein Mami – Papi war schon voraus gegangen, der war ein Jahr von uns getrennt. Und wir sind in das Auto gestiegen, und ich hab mein Mami gefragt, wo wir hingehen, und sie meinte, wir würden in die Ferien fahren.»




Ursprünglich war Schweden das Ziel, doch durch Zufall und finanzielle Engpässe landete die Familie im Jahr 2000 in der Schweiz. Nach einem Aufenthalt im Asylzentrum Poya verbrachten sie die ersten Jahre in Bösingen. 2005 zogen sie nach Schmitten.
Während ihrer Kindheit hatten zahlreiche Umzüge die beiden Brüder begleitet. In der Schweiz angekommen, erhielten sie Asyl und mussten sich schnell in einer neuen Kultur und Sprache zurechtfinden. Hajan erinnert sich kaum an seine früheste Kindheit und stellt sich oft die Frage, welche Bilder echte Erinnerungen oder nur nachträgliche Konstruktionen sind.
«Ich war damals im Kindergarten in Bösingen. Das weiss ich noch genau, dass ich eines Morgens an Ostern in meinem Fächlein, als ich in die Schule gekommen bin, einen Osterhasen aus Schokolade hatte. Und ich hatte eine RIESENfreude, das weiss ich noch genau.»

Nach einem ersten Deutsch-Crashkurs im Asylzentrum Freiburg passten sich die beiden Brüder rasch an die lokalen Gepflogenheiten an und durchliefen in ihrer Schulzeit eine sprachliche und kulturelle Integration. Rewan betont, wie wichtig es ihm war, schnell Schweizerdeutsch zu sprechen, um dazu zu gehören. Ein besonderes Ereignis für die beiden war die Geburt ihrer Schwester.
«Unsere Schwester ist hier zur Welt gekommen, im Kantonsspital Freiburg. Sie ist eine waschechte Freiburgerin. Das war ein Geschenk damals, als sie kam, auch für die Eltern, die in einer schwierigen Situation waren. Sie hat sehr viel Glück und Freude in die Familie gebracht. Und es war auch schön für uns, quasi ein Baby mit grosszuziehen.»
Ihre Ursprungsfamilie lebt über verschiedene Länder verstreut und der Kontakt zu ihnen ist sehr sporadisch. Die beiden Brüder konzentrieren sich darauf, ihr neues Leben in der Schweiz zu gestalten.
Die gemeinsamen Spiele mit Kindern im Quartier, Fussball, die Jubla und die vielen neuen Eindrücke halfen den Brüdern, sich in der Schweiz einzuleben. Sie fanden bald Freunde und bauten sich ein neues Leben auf, das von der Unterstützung ihrer Eltern und der Gemeinschaft um sie herum geprägt war.



«Ja, unser Mami hat uns natürlich auch gepusht. Sie hat uns überall hingeschickt, in den Fussballclub, in die Jubla, in die Vereine und in den Religionsunterricht. Der Religionsunterricht war in den Zwischenstunden. Und darum meinte sie: ‹Warum sollen meine Kinder nach Hause kommen, während die anderen Kinder in der Schule sind?› Sie sah das als Bildungsangebot. Sie meinte, ‹Ich kann euch nichts darüber erzählen, geht es selber kennenlernen und entscheidet dann selber, was für euch stimmig ist.›»
Unter schwierigen Umständen haben die beiden Brüder einen guten Weg gefunden, ihr Leben zu gestalten, sich zu engagieren und mit ihrem Umfeld eine Heimat zu schaffen. Sie haben gelernt, die Herausforderungen und Chancen als Teil ihres Lebensweges zu akzeptieren und zu nutzen.

BURIM
Umfeld«Die grösste Herausforderung war, dass man die richtigen Leute um sich hat. Denn wenn man die richtigen Leute hat, kann man gute Situationen besser machen, und schlechte Situationen in gute Situationen umwandeln.»
Integration
«Ich habe in meiner Kindheit manchmal nicht so gute Erfahrungen gemacht, aber ich kam zum Schluss, dass ich in meinem engeren sozialen Umfeld gut integriert bin. Und die Menschen empfinde ich als aufrichtig und gesellig, und das ist etwas Wichtiges für mich. Und ich fühle mich wohl im Kanton und im Bezirk.»
Einfluss
«Schlussendlich gab es mehrere Teile, welche den Burim Ramaj geformt haben: Meine Eltern haben zwar den Grundstein dazu gelegt, aber die Schule hat mich auch zu dem gemacht, was ich bin, der Sport, die Leute – und ich möchte das einfach zurückgeben, einen Teil von dem, was ich kann. Das ist meine Motivation als Gemeinderat.»
Burim Ramaj ist Jurist, Gemeinderat und zweifacher Familienvater. Vor kurzem hat er mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern in Flamatt ihr neues Zuhause bezogen. Geboren wurde er im Jahr 1988 in Prishtina, in eine Zeit hinein, in welcher der Kosovo von politischen Unruhen geprägt war. Sein Vater war bereits 1983 während seinen Semesterferien in die Schweiz gekommen, um zu arbeiten, damit er sich sein
Studium finanzieren konnte. Aufgrund der politischen Lage ist er jedoch geblieben. Seine Eltern kannten sich schon vom Gymnasium, und vier Jahre später kam auch seine Mutter nach Freiburg. Sie hatten ursprünglich die Absicht, in den Kosovo zurückzukehren. Doch mit der Geburt vom zweiten Kind in Freiburg entschied sich die Familie, in der Schweiz zu bleiben.
Burim wuchs in einem multikulturellen Umfeld auf. In seiner Kindheit verbrachte er prägende Sommer mit seinen Grosseltern auf ihrem Bauernhof. Diese Erlebnisse vermittelten ihm ein tiefes Verständnis für familiäre Bindungen und die Bedeutung von Gemeinschaft.




Die Schule fiel Burim leicht. Seine Freizeit verbrachte er mit Sport: Fussball, Karate, Thai-Boxen und Boxen. Obwohl er seine ganze Kindheit hier verbracht hatte, musste auch er ausgrenzende Erfahrungen erleben. Mit seiner positiven Einstellung vermochte er jedoch, aus negativen Begegnungen etwas Positives zu schaffen.
«Es ist nicht immer leicht, wenn man Burim Ramaj heisst, oder wenn man einen anderen ‹exotischen› Name hat, aber ich finde einfach, dass man diesem Namen auch eine positive Geltung geben kann. Es gab gewisse negative Dinge, doch das hat mich weitergebracht. Wie zum Beispiel, als ich noch Fussball spielte. Als Captain ‹Burim Ramaj›, da gab’s halt einfach ein ‹Buuh›. Das war für mich damals traurig. Ich musste auf dem Platz einfach zeigen, dass ich mein Team im Griff habe, dass wir gewinnen, und that’s it.»

Burim entwickelte in seiner Schulzeit eine Leidenschaft für Sprachen und Kommunikation. Nach dem Gymnasium studierte er Jura. Um seinen Ambitionen gerecht zu werden, verfasste er auch eine Dissertation, die er im Herbstsemester 2024 verteidigen wird, um den Doktortitel zu erlangen. Nach der Einbürgerung begann er sich für Politik zu interessieren, und schliesslich entschied er, sich dazu, Gemeinderat zu werden, um seiner Gemeinde etwas zurückzugeben. Sein beruflicher Alltag ist ausgefüllt mit Verpflichtungen, die es ihm ermöglichen, sich für die Belange seiner Mitbürger einzusetzen.
Burim legt Wert auf Bildung, auf Arbeit und ein starkes soziales Netzwerk. Dies widerspiegelt bis heute seine Einstellung zum Leben hier in der Schweiz.
«Es gibt eine Anekdote auf Albanisch, welche besagt: ‹Eigentlich hatte ich Sehnsucht nach meinem Elternhaus, aber es war die Familie. Ich hatte Sehnsucht nach der Schule, aber es waren die Schulkameraden. Ich hatte Sehnsucht nach der Arbeit, aber es waren meine Arbeitskollegen›. Und für mich dreht sich alles um die Leute, die Menschen.»



Die Einflüsse seiner Familie und seiner frühen Kindheit sind tief in ihm verwurzelt. Burim ist hier aufgewachsen, setzt sich mit seinem sozialen Umfeld auseinander und engagiert sich für die Gemeinschaft. All diese Erfahrungen prägen seine Identität als albanischer Schweizer. Er will sich weiter engagieren, möchte aber in nächster Zeit etwas kürzer treten, um mehr Zeit mit seinen Kindern verbringen zu können.

José
Identität
«Ich bin für einen Portugiesen vermutlich sehr speziell: Ich höre gern Schlagermusik, Jodeln oder Pop.»
Zweisprachigkeit«Ich finde die Menschen aus Fribourg interessant, denn sie sind multikulturell, es hat beide Sprachen, es gibt den Bilinguismus – diese verschiedenen Kulturen sind für einen wie mich, der nicht aus der Schweiz kommt, ganz gut für die Integration.»
Einfluss«Ich habe sehr viele Reisen an verschiedene schöne Orte organisiert. Und das habe ich sehr gerne für andere gemacht. Jeder, der mit mir unterwegs war, konnte von mir und meiner Kultur sicher etwas kennenlernen, indem sie mit einem aus dem Ausland herumzogen, mit anderen Ideen, anderem Temperament und mit anderer Sprache.»
José Figueiredo wurde am 30. November 1967 in Portugal geboren. Mit achtzehn Jahren kam er per Anhalter nach Freiburg, um einen Schweizer Freund zu besuchen, den er in Portugal kennen gelernt hatte. Da es ihm hier sehr gefiel, entschied er sich spontan, nach Arbeit zu suchen.
«Später hab ich ihn gefragt ‹du, ich hätte Interesse daran, einen neuen Job zu suchen, und hier zu bleiben…› Und da durfte ich in der Konditorei ‹Mairitsch› in Fribourg drei Monate arbeiten. Anschliessend konnte ich direkt ins ‹Restaurant du Commerce› im Pérolles wechseln, wo ich ein Jahr blieb. Nach einem Jahr habe ich wieder gewechselt, bin nach Wünnewil in die Gärtnerei Forster. Dort habe ich sechs Jahre lang gearbeitet. Und dort habe ich auch die Tochter des Chefs kennengelernt und später geheiratet.»



Beruflich hat er anfangs in verschiedenen Bereichen Erfahrungen gesammelt. Seit 25 Jahren ist er jetzt verantwortlich für die Disposition von Transporten und leitet eine Gruppe von etwa 25 Chauffeuren. Seine Aufgabe ist es, Aufträge zu bearbeiten, Probleme zu lösen und Kundenanfragen zu beantworten. José bemüht sich täglich, das Beste zu geben und sicherzustellen, dass alles reibungslos verläuft. Die tägliche Arbeit und die Verantwortung für ein grosses Team stellen für ihn eine herausfordernde, aber auch eine erfüllende Aufgabe dar.
Gleichzeitig arbeitet er privat für verschiedene Versicherungen. Früher organisierte er Schweiz-Reisen für Menschen aus Portugal oder Reisen nach Portugal für Schweizerinnen und Schweizer. Er hat sich jahrelang in der Feuerwehr engagiert und in der Trachtengruppe von Ueberstorf mitgemacht.
«Ich hatte sehr viele Projekte und war sehr integriert in den Vereinen, z. B. in der Feuerwehr. Dort konnte ich Lastwagen fahren. Ich musste auch wissen, wo alle Hydranten im Dorf sind. Das gehörte zu meinem Job, das zu wissen, wenn du Wasser benötigst. Oder auch alle Strassennahmen im Dorf. Oder dann hab ich auch in der Trachtengruppe mitgemacht, wo ich mit den älteren Leuten aus der Region die hiesige Kultur kennenlernte.»

José ist gerne aktiv. In seiner Freizeit liebt er Wandern, Velo- und Skifahren oder Ausflüge mit Kollegen. Und am liebsten verbringt er Zeit mit seiner Familie. Er fühlt sich gut integriert und schätzt das Leben in Freiburg sehr. Das hängt sicher auch mit seinem Interesse am Gegenüber zusammen. José geniesst es, mit Menschen zu arbeiten und ihnen zu helfen, ihre Ziele zu erreichen.
Gerne erinnert er sich an seine einfache Kindheit in Portugal. Der Umzug in die Schweiz in jungen Jahren war ein grosser Schritt, aber er hat sich schnell eingelebt. Er schätzt es, dass ihn die Menschen hier akzeptiert haben. Auch wenn er sich weiterhin als Portugiese sieht und sich nicht einbürgern lassen möchte, hat er hier seine neue Heimat gefunden.



«Da, wo ich wohne, da ist mein Zuhause. Meine Heimat ist immer noch Portugal, und meine zweite Heimat ist Fribourg. Sie sind beide gut für mich. Jedes Jahr, das vorbeigeht, vergrössert die Distanz zur alten, vorherigen Heimat. Und die Heimat, in der du bist, ist dir näher.»

Veränderung«Ich bin immer die Gleiche wie in Madagaskar. Wenn ich in Madagaskar bin, sagen die Leute: «Hallo! Du bist immer die gleiche Thania, wenn du hierher kommst.» Und wenn ich hier in Düdingen bin, sagen die Leute: «Du bringst die Sonne und das Strahlen von Madagaskar hierher!»
Ich bin immer die Gleiche.»
Menschen«Ich finde die Menschen in Deutschfreiburg sehr freundlich, auch wenn sie etwas reserviert sind.»
Freizeit
«Jemand aus der Familie hat einmal gesagt, komm mit zum Schauen, und es hat mir gefallen. Seitdem bin ich im Pistolenschiessverein. Aber ich mache nur das obligatorische Programm: Feldschiessen und Röstigrabenschiessen.»
Thania Raveloarisoa stammt aus Madagaskar. Sie lebt seit neun Jahren in der Schweiz und sieben davon in Düdingen. Thania ist Mutter von zwei Kindern und arbeitet in Bern als Biomedizin-Analytikerin. In Madagaskar hat sie zwei Geschwister, und sie selbst ist das mittlere Kind.
In Madagaskar hatte Thania eine schöne Kindheit. Sie wuchs in einem kleinen Dorf auf und legte täglich weite Strecken zu Fuss zur Schule zurück. Ihr Vater war Maurer, und die Familie hielt Tiere und baute Reis und Früchte an.
«Ja, ich hatte eine schöne Kindheit. Wir waren viel draussen. Wir gingen zu Fuss in die Schule, in der Primarschule musste ich drei Kilometer laufen, und in der Sekundarschule ungefähr sieben Kilometer. Und das viermal pro Tag. Aber es war normal, alle machten das.»



Ihren Sensler-Mann lernte Thania in Madagaskar kennen. Nach fünf Jahren zogen sie zusammen in die Schweiz. Zuerst lebten sie im Waadtland, wo sie in Lausanne eine Schule besuchte. Obwohl sie bereits in Madagaskar Biomedizin gelernt und drei Jahre auf ihrem Beruf gearbeitet hatte, musste sie in der Schweiz die Ausbildung noch einmal wiederholen. Nach Abschluss ihrer Ausbildung zogen
sie nach Düdingen.
«Ich habe schnell Arbeit gefunden, weil ich habe ein Schweizer Diplom gemacht. Ich habe nicht alles noch einmal gemacht, denn ich hatte schon eine Ausbildung in Madagaskar gemacht. Aber die Schule war ein anderes System als in Madagaskar. Ich musste schnell und viel lernen. Das war für mich ein bisschen anspruchsvoll.»

Die Anpassung an das Leben in der Schweiz war nicht immer einfach, besonders wegen der Sprache und des Dialekts. Thania besuchte Sprachkurse und integrierte sich schnell durch ihre offene Art und die Familie ihres Mannes.
In ihrer Freizeit geht Thania gerne joggen, sie singt und tanzt zu Hause oder schiesst im Pistolen-Verein Düdingen.
«Ich gehe gern joggen und schiessen. Der Pistolenschiessverein ist hier in Düdingen. Jemand aus der Familie hat mir mal gesagt, ‹komm mit zum Schauen›. Und es hat mir gefallen. Aber ich mache keine Turniere. Nur das obligatorische Programm mache ich, Feldschiessen und Röstigrabenschiessen.»
Thania hat sich in Freiburg gut eingelebt. Sie findet die Menschen freundlich, wenn auch etwas reserviert. Dabei schätzt sie auch die Sauberkeit und Ordnung in der Schweiz. Sie geniesst ihr Leben in der Familie und mit ihren beiden Kindern.




Am meisten vermisst Thania ihre Familie in Madagaskar und die madegassischen Feste.
«Wir Madagassis in Freiburg treffen uns ungefähr ein-zwei-mal im Jahr, um ein Fest zu machen. Wenn sich die Leute von Madagaskar treffen, dann gibt es immer etwas zum Tanzen, aber auch zum Essen. Jeder macht die Spezialität von Madagaskar. Dann essen wir zusammen und nachher tanzen wir. Es ist immer ein grosses Fest mit Tanzen.»
Thania fühlt sich in beiden Ländern zu Hause. Sie hofft, eines Tages den Sensler Dialekt fliessend zu sprechen und weiterhin in ihrer Gemeinde aktiv zu sein. Für sie bedeutet Glück, zufrieden zu sein und sich geliebt zu fühlen.

MAURICE
Veränderung«Freiburg hat mich sehr verändert in der Art und Weise, wie ich den Leuten zuhöre. Weil in einer Fremdsprache – oder zwei sogar – muss ich wirklich präsent sein. Ich musste lernen, dass ich es nicht persönlich nehmen muss, wenn die Leute nicht mit mir sprechen. Die ersten fünf Jahre musste ich mir oft sagen: «Okay, Maurice, du bist okay. Gehe zu jemandem und mache einen Witz.»
Herausforderungen
«Die ersten drei Weihnachten habe ich geweint. Allein in einem Zimmer irgendwo, weit weg von meiner australischen Familie, kein Sonnenschein, kalt und dunkel. Das war wirklich schwierig für mich.»
Einfluss
«Es gibt ein lustiges Beispiel. Das Haus, in dem ich wohne, gehört einer Berner Firma. Da stehen zwei Berner unten und sagen, sie möchten zum Concierge. Und der kommt aus Portugal und spricht nur Französisch. Und die Berner verstehen kein Wort. Da kommt plötzlich der Australier nach Hause und macht die Übersetzung zwischen diesen Bernern und dem Portugiesen!»
Maurice Delaney stammt aus Melbourne, Australien, einer Stadt mit über sechs Millionen Einwohnern. Er wuchs in einer irisch-katholischen Familie auf. Nach dem Schulabschluss zog er in die Innenstadt von Melbourne, wo er erste Erfahrungen in der Marktforschung sammelte und sein Interesse für Computer entdeckte.
Mit 30 Jahren entschloss sich Maurice, die Welt zu erkunden. Er reiste durch Asien und Europa und fand schliesslich Arbeit in England. Da er jedoch nur ein Touristenvisum hatte, musste er das Land nach sechs Wochen wieder verlassen. In dieser Zeit besuchte er eine ehemalige Tai-Chi- Lehrerin in Südfrankreich. Dort traf er eine Gruppe von Schweizerinnen und Schweizern, darunter seine erste Frau. Diese Begegnung führte ihn erstmals in die Schweiz. Nach einigen Besuchen von London aus zog er schliesslich dauerhaft nach Freiburg.




In Freiburg fand Maurice eine neue Heimat. Er verliebte sich in die hügelige, grüne Landschaft, die ihn an seine Heimat in Victoria, Australien, erinnerte. Er schätzt die vielfältigen Möglichkeiten, die Freiburg ihm bietet, und in kurzer Zeit zwischen einem Jazz-Konzert, Schwimmen im Fluss, Rückzug in eine mittelalterliche Kirche oder Eintauchen in die Natur zu wechseln. So wandert er gerne durch das Galterntal, im Schwarzsee oder neuerdings auch im Greyerzbezirk. Als Australier ist er besonders beeindruckt von der Freiburger Altstadt und ihrer langjährigen Geschichte.
«Und natürlich die Altstadt, ich vergesse das immer. Wenn ich Besuch von meiner Familie oder Freunden habe und wir einen Spaziergang über den Stalden in die Altstadt machen, sehe ich ihre erstaunten Gesichter über die alten Gebäude. Die Geschichte ist so tief in diesem Land hier. Ich bin Weissaustralier mit irischen Wurzeln. Meine Vorfahren sind 1855 in Australien eingewandert. Aber die Schweizer, die kom-
men von hier. Das sind wirkliche Wurzeln. Das mag ich sehr gerne hier, dass alles so tief geht.»

Beruflich setzte Maurice seine Karriere im Bereich der Sozialforschung fort, und in letzter Zeit befasst er sich mit künstlicher Intelligenz. Zunächst arbeitete er für eine britische Firma, bevor er für ein Unternehmen in Luzern tätig wurde. Seine berufliche Veränderung ermöglichte es ihm, sich in der Schweiz zu etablieren und finanziell unabhängig zu sein.
Auch privat hat Maurice in Freiburg seine Wurzeln geschlagen. Vor zwei Jahren hat er zum zweiten Mal geheiratet. Zusammen mit seiner Frau geniessen sie Aktivitäten wie Tango-Tanzen und Wanderungen in der Umgebung.


«Ich bin über den Röstigraben gesprungen. Meine erste Frau war deutschsprachig und meine jetzige Frau ist französischsprachig. Das ist wirklich unglaublich. Es ist wirklich wie die Brille zu ändern für eine andere Stärke.
Wir waren z. B. früher oft in Bern oder auf dem Land im Sensebezirk. Und dann plötzlich nicht mehr. Wenn wir jetzt aufs Land gehen, ist das in Richtung Gruyère oder auf dieser Seite der Saane.»
Trotz der Entfernung zu seiner Heimat Australien und der Herausforderungen, die das Leben in einer neuen Kultur mit sich brachte, hat Maurice ein tiefes Gefühl von Zugehörigkeit zu Freiburg aufgebaut.
